Mrs. Papendiek über die Gesundheit der königlichen Familie


[1768]... nachdem die Königin sich erholt hatte [vom Wochenbett nach der Geburt von Prinzessin Augusta], wurde entschieden, daß Prinz Ernst, der Bruder ihrer Majestät, Prinz William und ich geimpft werden sollten [gegen Pocken]. Ich wurde ins Queen's House gebracht, dort von meinem Vater auf einem Stuhl gehalten, der Prinz von seiner Kinderfrau auf einem anderen, in Gegenwart der Majestäten. Prinz Ernst wurde zuerst geimpft, dann ich und dann Prinz William, auf die folgende Art und Weise: mit der Spitze einer Lanzette wurden zwei Einstiche nebeneinander auf dem Arm gemacht, durch welche unterhalb der Haut mehrere Male ein Faden hindurchgezogen wurde, und dies an beiden Armen. Die Operation wurde von Chirurg Blomfield durchgeführt und tat sehr weh, weshalb wir beide weinten. Ich wurde in einer Sänfte nach Hause getragen, warm gehalten, und in ein paar Tagen bekam ich einen Krampf, Fieber und die Pusteln entzündeten sich. Auf einem Arm wurden sie groß und trockneten regulär ab. Prinz William hatte auch Pusteln an anderen Stellen als den Armen, keinen Krampf und war weniger krank, was der schwächeren weiblichen Konstitution zugeschrieben wurde. Prinz Ernst zeigte überhaupt keine Reaktion. Als wir uns endlich erholt hatten, wurde alles als in Ordnung betrachtet und daß wir vor weiteren Erkrankungen an Pocken sicher seien...

[1772]... [In Kew] Die Häuser der Herzöge von Cambridge und Cumberland waren Sir John Pringle zugeteilt, dem persönlichen Arzt, und Caesar und Pennell Hawkins, den persönlichen Chirurgen; die Königin bestand darauf, daß zwei von ihnen immer anwesend seien, um den körperlichen Zustand der Königskinder zu beobachten, um, wenn möglich, die schreckliche Krankheit Skrofulose, vom König vererbt, auszumerzen oder wenigstens unter Kontrolle zu halten. Sie selbst sah sie beim Baden jeden Morgen um sechs, besuchte das Schulzimmer ihrer Töchter, war zugegen bei ihren Diners, und traf die Auswahl ihrer Kleider, wenn immer diese Tätigkeiten nicht mit öffentlichen Pflichten im Konflikt lagen oder mit irgendwelchen Plänen und Wünschen des Königs, dem sie weder widersprach noch je einen Moment warten ließ, ich möchte fast sagen, unter keinen Umständen...


Auszug aus: Court and Private Life in the Time of Queen Charlotte; being the Journals of Mrs Papendiek, Assistant Keeper of the Wardrobe and Reader to Her Majesty. Edited by Mrs Vernon Delves Broughton. London, 1887. (2 Bde), Bd.1, S. 41-42, 49-50.


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Last Modified: Thursday, 5-Nov-98
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